Wappen von Zuerich
Hardtturm / Zürich - Kanton Zürich
Historie


Westlich der Stadt Zürich, am Flusslauf der Limmat, war die Landschaft im Mittelalter von Sümpfen und Auenwäldern geprägt. 1251 wird die Au im Hard erstmals erwähnt. Sie gehörte bis dahin als Lehen der Zürcher Fraumünsterabtei den Leuten von Wipkingen. Da das Dorf Wipkingen nördlich der Limmat lag, die Hard aber südlich, wird an dieser Stelle schon damals ein Flussübergang bestanden haben. Ab 1251 waren es jedoch die Ritter von Manesse, die der Abtei für die Güter im Hard zinspflichtig waren. Diese Zürcher Adelsfamilie, welche auch die südlich der Stadt gelegene Burg Manegg und zwei Wohntürme innerhalb der Stadtmauern besass, übernahm errichtete hier wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jhdt. den Hardturm.

Diesen Schluss lässt zumindest das für jene Zeit typische Mauerwerk aus groben, nahezu unbearbeiteten Gesteinsbrocken (Findlingen) zu, aus denen der 10,8 Meter im Quadrat messende Turmsockel gemauert ist. Die Grundmauern weisen dabei eine Dicke von 3,3 Metern auf. Die einfache Turmburg war mit einer Ringmauer mit Tor versehen und auf drei Seiten durch einen Wassergraben, auf der vierten durch den Fluss geschützt. Sie war ausserdem der Endpunkt der Letzi im Sihlfeld, einer vorgeschobenen Verteidigungslinie der Stadt Zürich, die sich von der Burg Friesenberg im Süden der Stadt bis hier an den Fluss erstreckte.

1293 wird Ritter Heinrich Manesse erstmals ausdrücklich mit Wohnsitz in der Hard genannt. Beim politischen Umsturz in der Stadt von 1336 versprach er schriftlich, Turm und Brücke niemandem offen zu halten, der gegen Zürich vorgehen wolle. 1349 wurde die Brücke allerdings während eines Hochwassers zerstört, als ein von den Fluten mitgerissenes Haus gegen das Bauwerk prallte. Diese Erfahrung nutzten die Zürcher nur wenige Jahre später aus, als sie im Konflikt mit Habsburg-Österreich lagen. Als Herzog Albrecht 1351 bei der Belagerung von Zürich eine neue Brücke in der Hard errichten wollten, liessen die Stadtbürger ein mit Steinen beschwertes Floss den Fluss hinunter treiben, um das Bauwerk zu vernichten.

1417 verkauften die Manesse den Hardturm an Rudolf Netstaller. Die Burg ging nun durch die Hände mehrerer angesehener Zürcher Familien und gehörte um 1460 auch für kurze Zeit der Stadt selbst. In dieser Zeit verlor der Turm seine Wehrhaftigkeit, Ringmauer und Graben verschwanden. Die Aufstockung um ein Geschoss über dem alten Turmsockel und der dabei erstellte neue Dachstuhl sind gemäss der dendrochronologischen Datierung der Balken um 1465 erfolgt. Um 1693 wurden die kleinen Eckerker angebaut, und der alte Hocheingang durch ein hölzernes Treppenhaus ersetzt. Im obersten Stockwerk sind Innenausbauten wie Täfer, Türen und Wandschränke aus jener Zeit teilweise bis heute erhalten geblieben.

1882 erwarb die Firma Schoeller das Areal und betrieb darauf eine Wollfärberei, der Turm verschwand hinter Industriebauten. 1964 wurde er vom Zürcher Stadtrat unter Schutz gestellt, trotzdem wurde nur wenige Jahre später wegen einer geplanten Fernverkehrstrasse erwogen, das ganze Bauwerk zu verschieben. Nicht zuletzt dank dem Eingreifen des Schweizerischen Burgenvereins konnte dies verhindert werden.

Als 1992 eine grosse neue Wohnüberbauung auf dem Areal der Wollfärberei geplant wurde, unternahm die Kantonsarchäologie Sondiergrabungen und stiess westlich des Hardturms auf Reste des Burggrabens und der Ringmauer. 1999 wurde der Turm einer umfassenden Restaurierung unterzogen und in seinem Inneren zwei Mietwohnungen eingerichtet.

QUELLEN: ZÜRCHER DENKMALPFLEGE. 15. Bericht, 1997-2000. Zürich / Egg 2004. S. 344-349. / REICKE, Daniel. "von starken und grossen flüejen": Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 89-90. / MEYER, Werner. Burgen der Schweiz, Band 5: Kantone Zürich und Schaffhausen. Zürich 1982. S. 55-56.


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