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Autor Betreff: Burgbrunnen
Detlef Mewes
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[*] Verfasst am: 13-4-2016 um 20:44
Burgbrunnen


Ich war vor ein paar Tagen auf der Festung Königstein und habe eine Vorführung des Burgbrunnens erlebt (s. Facebookaccount unter Detlef Mewes).
Danach habe ich weiter recherchiert. In der Wikipedia gibt es sogar einen extra Beitrag dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Burgbrunnen
Kennt jemand noch weitere tiefe Brunnen?
Der Eintrag von Burg Regenstein ist problematisch. Der Burgberg ist nur ca. 100 m hoch (über dem Umland). Ist es hydrologisch denkbar und nötich, dass man einen Brunnen so tief (100 m unter dem Niveau des Geländes vor dem Felsen) bohren musste um an Wasser zu kommen? Der Burgberg besteht aus weichem Sandstein. Das Gelände um den Burgberg herum ist von mehreren Wasserläufen durchzogen. Haben wir einen Experten unter uns?
Viele Grüße
Detlef


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steimann
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[*] Verfasst am: 14-4-2016 um 00:09


Hallo Detlef

Das sind schon extreme Tiefen. Aus der Schweiz kenne ich vor allem zwei Beispiele, die aber nicht mit Königstein mithalten können. Der Sodbrunnen der Burg Kasteln (LU) ist 57,6 Meter tief, jener des Burgstädtchens Regensberg (ZH) 56 Meter. Beide Anlagen stehen jedoch auf Anhöhen, die sich deutlich höher über das Umland erheben.

Beste Grüsse,
Oliver
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Goettergatte
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[*] Verfasst am: 16-4-2016 um 23:19


Der Brunnen der Reichsburg Kyffhausen gilt derzeit als der tiefste Burgbrunnen, seine Tiefe wird mit 176m angegeben, er soll zwischen 1140 und 1180 angelegt worden sein, was aber von manchen Burgenforschern, für so frühe Zeit, angezweifelt wird.
Zumindest hätte sich, zu jener Zeit, das für den Brunnenbau nötige Fachpersonal, unter den Bergknappen in Goslar, 2-3 Tagesreisen entfernt, finden lassen können.

Frühneuzeitliche Brunnen großer Tiefe finden sich auf Augustusburg bei Cemnitz, 133m
und Festung Wülzburg, Franken 130 m

[Bearbeitet am 16-4-2016 von Goettergatte]




Wärme wünscht/der vom Wege kommt
mit erkaltetem Knie
mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wanderer,
der über Felsen fuhr________havamal

outdoorseiten.net, hier gehts raus
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Johannes
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[*] Verfasst am: 17-4-2016 um 13:42


Zum Thema Brunnenbau auf Burgen kann ich das Buch Wie kam das Wasser auf die Burg? von Axel W. Gleue empfehlen. Er geht neben dem Bau von tiefen Brunnen auch auf Themen wie die Entnahmerate und Füllrate von Brunnen und ähnliches ein.
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little-h
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Motto: Burg auf, Burg ab

[*] Verfasst am: 18-4-2016 um 01:31


Hallo Detlef, ich kann dir auch das Buch vom Gleue empfehlen, das habe ich auf der Türkeiexkursion gelesen, etwas trocken aber sehr interessant. Ich darf noch den Brunnen meiner Burg anmerken. Burg Hanstein ursprünglich mal 121m tief.
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Jochen
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Motto: Si non confectus, non reficiat

[*] Verfasst am: 7-5-2016 um 14:17


Hallo Detlef,

zum Thema tiefe Brunnen fällt mir spontan die Burg Ravensberg in Borgholzhausen ein, mit ~100m laut eigener Webseite (http://burg-ravensberg.de/index.php/die-burg/heute) der zweittiefste mittelalterliche Burgbrunnen nach Kyffhausen.
Der Brunnen der Sparrenburg in Bielefeld ist teils zugeschüttet, aber immer noch 61m tief, also auch durchaus beachtlich.

Gruß

Jochen



[Bearbeitet am 7-5-2016 von Jochen]
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Detlef Mewes
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Beiträge: 51
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[*] Verfasst am: 8-5-2016 um 17:44


Hallo Jochen, hallo Alle,
ich habe mir die Mühe gemacht, an die Burg Regenstein zu schreiben. Das ist die Antwort:

Die letzte wissenschaftliche Arbeit zum Regenstein, die mir zum Thema vorliegt, ist die Master- Thesis: Regenstein Burg , Festung, Ruine Konservierung und Revitalisierung von Benjamin Rudolf . 22.2. 2008 Bauhaus- Universität Weimar.
Zum Brunnen der Festung finden sich in der Arbeit auf der S. 45 die folgenden Zeilen:
„... (hier lagen auch das Wirtshaus/Brauhaus und der angeblich 200 m tiefe Festungsbrunnen, der im Mai 1670 bereits auf 41 m Tiefe vorangetrieben worden war).“ Weitere Angaben befinden sich dort nicht.Von verschiedenen historischen Persönlichkeiten, welche die Festung sahen, gibt es Angaben zur Brunnentiefe. Ein Problem bei diesen Angaben ist, dass sie in den damals geltenden Maßen angegeben werden. Bei den großen regionalen Unterschieden z. B. in den regionalen Variationen Klafter ist die Wahl unter diesen schwierig. Es entstehen Unsicherheiten, die man als seriöser Historiker in der eigenen Darstellung berücksichtigen muss.
Zu dem Rechenbeispiel aus Ihrem Schreiben wäre zu sagen, dass man die Festung Regenstein nicht auf einem Tafelberg errichtet hat. Durch die Auffaltung des Harzes sind die Gesteinsschichten hier um bis zu 90ig Grad gedreht, so dass man bei einer unglücklichen Wahl des Platzes für den Brunnen bei der Schachtung durchaus 200 Meter und mehr innerhalb der gleichen Gesteinsschicht bleiben konnte. Vom Brunnen hing die Verteidigungsfähigkeit der Festung ab, die bedingt durch die militärischen Konfrontation die zwischen Braunschweig und Brandenburg drohte, schnellstens hergestellt werden musste.
Also war der Brunnen auch an der gewählten ungünstigen Stelle fertig zu stellen. Neben den überlieferten, aus meiner Sicht natürlich auch nur mit Vorsicht zu gebrauchenden Angaben zur Brunnentiefe, deren Umrechnung zu der Tiefenangabe von etwa 195 Metern führt, ist auch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen. Auf den verschiedenen, überlieferten Plänen der Festung ist das Brunnenhaus als ein Gebäude von erheblicher Größe dargestellt. Dies war notwendig wie auch übereinstimmend berichtet wurde, da z.B. 2 Soldaten zum Betrieb des darin befindlichen Laufrades notwendig waren. Ein solcher Aufwand an Hebetechnik ist nur durch die große Brunnentiefe zu erklären.

Das ist natürlich nicht völlig befriedigend. Man muss konstatieren, dass die Angaben eher auf Hörensagen basieren. jetzt brauche ich noch einen Hydro-Geologen, der meine Zweifel verstärken oder beseitigen könnte, was die Wasserführung in dem porösen Sandstein betrifft. Auf Schloss Augustusburg hat man beim Brunnenbau offensichtlich geologische Kenntnisse genutzt. Als das Wasser in der angedachten Tiefe nicht kam, hat man Querstollen eingehauen.
Ich melde mich gelegentlich, wenn ich etwas neues weiß.

Viele Grüße Detlef
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